Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Überzeugung, dass etwas wichtiger ist als die Angst. Franklin D. Roosevelt

Zwei Szenen

Peru, August, 2018: Ich bin unterwegs auf einem der härtesten Trekkings in Peru, dem Huayhuash Trekking – nur mit meinem Guide. Wir tragen schwere Rucksäcke.

Halt auf ca. 5000müM. Die Luft ist dünn. Wir sind 8 Tage unterwegs und tragen unsere ganze Ausrüstung und die Verpflegung.

Szenenwechsel: Letzthin in Griechenland auf der kleinen Insel Tinos: am Dienstag, 28. Oktober ist viel los auf den Strassen von Chora und ein grosser, langer Umzug steht bereit zum Abmarsch. Kinder, von klein bis gross, dazu eine Musik. Überall flattern die blau-weissen Fahnen Griechenlands im Wind.

An diesem Tag feiern die Griechinnen und Griechen den Ochi-Tag, den Tag des «Neins». Er erinnert an den mutigen Entscheid, 1940 Nein zu sagen zum italienischen Ultimatum, was den Beginn des griechisch-italienischen Krieges und den Eintritt Griechenlands in den Zweiten Weltkrieg bedeutete.

Der 28. Oktober ist somit das Symbol für ein mutiges Nein des damaligen griechischen Premierministers Ioannis Metaxas – ohne Angst vor den Konsequenzen.

Zwei Geschichten, eine private und eine weltpolitische. Bei beiden ist Mut das Thema. Einmal ein mutiges Nein, einmal der Entschluss, ein anspruchsvolles Trekking in Angriff zu nehmen.

Viele Menschen, die mein Leben kennen, sagen mir oft: Wow. Wie mutig du bist, das hätte ich mir nie getraut. Ging es darum, den Job als Mittelschullehrerin an den Nagel zu hängen und eine eigene Sprachschule zu gründen, mit über 40 ein EMBA anzufangen, eine Ausbildung in Fels und Eis zu machen, einen 6000m hohen Berg zu besteigen, nur mit meinem Guide in Südamerika verschiedene Gipfel über 5000m zu besteigen und im «Alpine Stil» Trekkings in abgelegenen Regionen zu machen oder als Nachfolgerin die von meinem Mann gegründeten Firmen zu übernehmen.

Oder 2023 den Entschluss zu fassen, 600km zu wandern und den South West Coast Path zu machen. Viele von meinen Freunden haben uns damals gesagt: SPINNT IHR?

Was ist Mut – eine Definition

Bin ich mutig? Braucht es Mut, solche «gewagten» Schritte zu machen?

Und überhaupt, was ist Mut?

KI meint dazu:

Mut ist die Fähigkeit, sich einer Situation zu stellen, die Angst auslöst, und trotz dieser Angst zu handeln, um etwas zu erreichen, das als wichtig oder richtig erachtet wird. Es bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern diese Angst zu überwinden und sich nicht von ihr lähmen zu lassen, indem man seine Komfortzone verlässt und Risiken eingeht. 

Meine Gedanken über den Mut

Im Folgenden ein paar Gedanken zum Thema Mut. Es geht hauptsächlich um diese Punkte.

  • Gibt es mutigere Menschen als andere?
  • Ist Mut etwas, das man lernen kann?
  • Wann ist es Mut, wann die Lust am Risiko?
  • Gibt es Erfahrungen, wo ich zu mutig war und wo ich es lieber hätte sein lassen sollen?
  • Was für ein Fazit ziehe ich?

Mutige Menschen

Mutig sein, heisst, dass man das, was man will und sich wünscht, macht und mit aller Kraft zu realisieren versucht. Wer nicht gerne seine Komfortzone verlässt, erlebt vielleicht das eine oder andere Abenteuer nicht.

In beruflicher Hinsicht, wer eher auf Sicherheit bedacht ist, macht sich vielleicht nicht selbständig oder wagt einen völlig neuen Schritt im Berufsleben.

In jedem Fall braucht es ein Urvertrauen und die Kraft, seine Angst zu überwinden.

Denn Angst hatte ich natürlich auch. Aber es war nicht die lähmende Angst, nein, es war die Angst, die macht, dass wir Respekt haben und vorsichtig sind.

Vielleicht könnte man sagen, dass Menschen, die nicht so gerne ihre Komfortzone verlassen, weniger mutig sind? Dass die, die das Unbekannte nicht anzieht, weniger wagen?

Ist Mut lernbar?

Als Kind wollte ich alles entdecken und meine Eltern liessen mich gehen, sei es in die Natur, in die Berge, ans Meer. Meine Kindheit auf dem Land hat mich sicher stark geprägt und mir ein gewisses Urvertrauen gegeben.

Als Teenager wollte ich die Welt entdecken, machte Reisen mit dem Rucksack, mit dem Fahrrad. Ich hatte immer grosse Lust, neues zu entdecken und dass ich dabei meine Komfortzone verlassen musste, nahm ich gerne in Kauf. Oft war das gar kein Thema.

Als Frau habe ich mir dann zwei grosse Träume erfüllt: das Hochsee Segeln und das Bergsteigen.

Was immer da war: die Lust, meine Komfortzone zu verlassen und meine Träume zu verwirklichen.

Zum Glück hatte ich auch Menschen an meiner Seite, die mich unterstützten und mir halfen, meine Träume zu verwirklichen. Ich denke, bis zu einem gewissen Stück ist Mut lernbar, wir können, wenn wir die entsprechende Unterstützung haben, Dinge in Angriff nehmen, die wir uns vielleicht nie zugetraut hätten. Wichtig ist, dass wir Träume haben und uns getrauen, diese auch zu leben und umzusetzen.

Mut oder Lust am Risiko?

Mutig ja, Lust am Risiko? Nein. Für mich war und ist immer wichtig, dass, wenn ich etwas tue, ich es vorbereitet und wohl überlegt mache. Die Träume, die ich schliesslich umgesetzt habe in Projekte, waren sorgfältig geplant und oft mit langer Vorbereitungszeit verbunden.

Während diesen Phasen gab es dann auch oft Zweifel, schaffe ich das überhaupt? Was hab ich mir denn nun wieder ausgedacht? Und es gab auch Momente der Angst.

Wenn es dann jedoch so weit war und das Abenteuer losging, gab es nur eins: Fokus auf das Erlebnis. Alles geben, damit es erfolgreich wird. Und ich habe es nie bereut.

Mut haben zu scheitern

Mein Blog über das Scheitern zeigt, dass es Situationen gab, in denen ich an den Anschlag kam und das Projekt zum Glück beendete bevor etwas Schlimmes passierte und es lief dann tatsächlich immer glimpflich ab. In diesen Momenten hiess mutig sein, das Projekt abzubrechen. Die Risiken waren in dem Fall definitiv zu gross. Diese Momente waren zwar nicht gerade die glücklichsten, jedoch sehr lehrreich. Und sie haben mich nicht davon abgehalten, neue Abenteuer zu starten.

Fazit:

Mut heisst, Träume in Projekte umzuwandeln und es dann zu tun. Das Huayhuash-Trekking ist einer meiner schönsten Erinnerungen. Die Strapazen und die harten Momente sind viel weniger prägend als das grossartige Gefühl,  etwas einmaliges, grandioses erlebt zu haben.

Mut haben, heisst, seine Angst zu überwinden und es einfach zu tun, was nicht heisst, dass man die Risiken nicht einschätzt.

Mutig sein, heisst, dass man bereit ist, seine Komfort Zone zu verlassen.

 Mutig sein, kann aber auch heissen, dass die Konsequenzen gravierend sind, die Folgen können katastrophal sein. Hier heisst es gut abwägen und dann die für uns richtige Entscheidung fällen.

Der Mut der Griechen ist unvergleichlich. Das mutige Nein war für Iannis Metaxas der richtige Entscheid, die einzig mögliche Antwort dem faschistischen Italien zu trotzen.

 Mutig sein ist in diesen Tagen wieder ein grosses und heikles Thema und aktueller denn je:

 Wann sagen wir NEIN zu einer Politik, die aus dem Ruder läuft?

Wann sagen wir JA zu einem Klimawandel, der dringend nötig ist?

 Es braucht Mut, liebe Menschen! Auch wenn es manchmal weh tut.

Mut für unser eigenes Leben, Mut aber auch, Verantwortung zu übernehmen für unsere Welt und unsere Mitmenschen.

Was denkt Ihr über den Mut? Was ist Eure Meinung? Wann wart Ihr das letzte Mal richtig mutig und stolz auf Euch?

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

 

Judith Trachsel Oberleitner

JTO Solutions